Alles über ADHS: Behandlung, Ursachen, Symptome und Diagnostik

Sie haben Konzentrationsstörungen und Ihnen passieren im Berufsalltag häufig Flüchtigkeitsfehler, die Ihre Kollegen frustrieren? Sie sind nicht allein – viele Erwachsene sind unwissentlich von ADHS (engl. ADHD) betroffen. Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ist erst seit den 2000er Jahren in Europa stärker ins Bewusstsein gerückt, weshalb Kinder heute routinemäßig darauf untersucht werden. Sowohl die Weltgesundheitsorganisation als auch nationale Gesundheitsbehörden erkennen ADHS als eine psychische Erkrankung an.
Rund 8 % der Kinder und Jugendlichen erhalten mittlerweile eine ADHS-Diagnose, und bis zu 60 % der Betroffenen leiden auch im Erwachsenenalter weiter an den Symptomen. Nach aktuellem medizinischem Kenntnisstand ist die Störung zwar behandelbar, jedoch nicht heilbar.
In diesem Artikel erfahren Sie alles über die ADHS-Therapie, Symptome und Diagnostik.
Was ist ADHS?
ADHS ist eine neurologische Entwicklungsstörung bzw. eine Gehirnfunktionsstörung, die sowohl Kinder als auch Erwachsene betrifft, jedoch meist in der Kindheit erstmals auftritt. Rund 60 % der Betroffenen zeigen auch im Erwachsenenalter weiterhin Symptome, die sich im Laufe des Lebens verändern können. Während ADHS in jungen Jahren oft mit Hyperaktivität verbunden ist, entwickelt sich bei vielen Erwachsenen eher die ADS-Form, bei der Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit und Unorganisiertheit im Vordergrund stehen. Häufig wird die Störung im Kindesalter nicht erkannt oder diagnostiziert, da systematische Untersuchungen erst in den letzten 30 Jahren in Europa etabliert wurden.
Es gibt eine Vielzahl von Verhaltensweisen, die mit ADHS in Verbindung stehen.
Häufige ADHS-Symptome:
- Probleme beim Autofahren – Betroffene berichten von Unaufmerksamkeit, impulsivem Verhalten am Steuer, unsichere Fahrweise, häufige kleine Unfälle und viele Betroffene fahren ungerne mit Leuten im Auto.
- Konzentrationsstörungen – Schwierigkeiten, sich über längere Zeit auf eine Aufgabe zu fokussieren, insbesondere bei uninteressanten Tätigkeiten.
- Probleme, eine Aufgabe bis zum Ende fertigzustellen – Häufige Unterbrechungen oder das Verlassen von Aufgaben, bevor sie abgeschlossen sind.
- Vergesslichkeit – Wichtige Informationen gehen schnell verloren, sei es bei Terminen, Gesprächen oder Lerninhalten.
- Leicht ablenkbar – Geräusche, visuelle Reize oder andere Menschen unterbrechen schnell die Konzentration.
- Häufiges Verlieren von Gegenständen – Schlüssel, Portemonnaies oder Dokumente gehen regelmäßig verloren.
- Probleme beim Organisieren der täglichen Aufgaben – Schwierigkeiten bei der Strukturierung und Planung von Arbeit, Haushalt und Verpflichtungen.
- Übermäßiges und lautes Reden – Ständiges Reden ohne Pausen, oft ohne Rücksicht auf die Gesprächssituation.
- Andere beim Reden unterbrechen – Schwierigkeiten, abzuwarten, bis jemand fertig gesprochen hat.
- Flüchtigkeitsfehler machen – Häufiges Übersehen oder Überhören von Details bei Aufgaben, Tests oder Berichten.
- Probleme beim Stillzusitzen – Nervöses Wippen mit den Füßen, häufiges Aufstehen in Situationen, die Ruhe erfordern.
- Abrupte Gefühlsausbrüche – Plötzliche, intensive emotionale Reaktionen auf Situationen ohne erkennbaren Grund.
- Impulskäufe – Spontane, nicht durchdachte Einkäufe ohne Berücksichtigung finanzieller Konsequenzen.
- Impulsives Verhalten – Handlungen ohne vorheriges Nachdenken, die zu unerwarteten Problemen führen können.
- Innere Unruhe – Ständiges Bedürfnis nach Bewegung oder Beschäftigung, selbst in entspannten Momenten.
- Schwierigkeiten bei der Selbstregulation – Probleme, Emotionen oder Verhalten bewusst zu steuern und anzupassen.
- Zeiteinteilungsprobleme – Schwierigkeiten, Aufgaben rechtzeitig zu beginnen oder zu beenden.
- Tagträumerei – Gedanken schweifen oft ab, besonders bei langwierigen oder monotonen Tätigkeiten.
- Soziale Impulsivität – Unüberlegte Äußerungen oder Handlungen in sozialen Situationen, die unangemessen wirken können.
- Extreme Motivationsschwankungen – Phasen intensiver Produktivität wechseln sich mit Antriebslosigkeit ab.
- Lampenfieber bei ADHS – Da äußere Reize ungefiltert und gleichzeitig verarbeitet werden, fällt es Betroffenen mitunter schwer, sich zu fokussieren und ihre Gedanken zu ordnen, was Nervosität, Unsicherheit und das Blockieren von z.B. gelernten Texten bei mündlichen Prüfungen oder Auftritten in der Öffentlichkeit verstärkt.
Arten von ADHS
Es gibt drei Untertypen von ADHS. Dabei ist es möglich, dass sich die zu den jeweiligen Formen gehörenden Symptome im Laufe der Zeit vermischen bzw. verändern:
- ADS: Die vorwiegend unaufmerksame Präsentation von ADHS, früher als ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) bekannt, zeichnet sich durch erhebliche Schwierigkeiten bei der Konzentration, der Ausführung von Aufgaben und dem Befolgen von Anweisungen aus. Diese Form tritt besonders häufig bei Mädchen auf.
- ADHS: Die vorwiegend hyperaktiv-impulsive Präsentation von ADHS zeigt sich hauptsächlich durch ausgeprägte Impulsivität und motorische Unruhe. Betroffene neigen dazu, ständig in Bewegung zu sein, andere im Gespräch zu unterbrechen und Schwierigkeiten zu haben, geduldig abzuwarten, bis sie an der Reihe sind. Im Vergleich zu anderen ADHS-Formen treten Probleme mit der Aufmerksamkeit bei diesem Subtyp oft weniger stark in den Vordergrund.
- ADHS – Mischtyp: Die kombinierte Präsentation von ADHS umfasst sowohl unaufmerksames als auch hyperaktiv-impulsives Verhalten und ist die häufigste Form der Störung. Sie wird häufig bis ins Erwachsenenalter diagnostiziert. Betroffene zeigen Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit über längere Zeit aufrechtzuerhalten, handeln impulsiv und verfügen über ein hohes Maß an Energie und Aktivität. Diese Form tritt besonders häufig bei Kindern und Jugendlichen auf und beeinflusst verschiedene Lebensbereiche, darunter Schule, Arbeit und soziale Interaktionen.

Was ist die Ursache von ADHS?
Die genauen Ursachen von ADHS sind weiterhin Gegenstand intensiver Forschung. Es ist jedoch bekannt, dass sowohl genetische Faktoren als auch verschiedene Umwelt- und Einflussfaktoren eine entscheidende Rolle spielen. Diese beeinflussen den Neurotransmitterhaushalt von GABA, Dopamin, Serotonin und Noradrenalin, was die Entstehung und Ausprägung der Störung maßgeblich mitbestimmt.
Genetische Faktoren spielen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von ADHS. So steigt das Risiko einer Vererbung beispielsweise, wenn ein Elternteil an ADHS leidet oder der Vater eine antisoziale Persönlichkeitsstörung aufweist – eine Störung, die sich durch eine Missachtung von Konsequenzen und den Rechten anderer auszeichnet. Die Wahrscheinlichkeit, dass ADHS weitergegeben wird, liegt bei etwa 20–30 %, wenn ein Elternteil betroffen ist, und erhöht sich auf 80–90 %, wenn beide Elternteile die Störung haben.
Wenn die Mutter in der Schwangerschaft Psychostimulanzien wie Methylphenidat, Methamphetamin oder Kokain sowie Antidepressiva wie Bupropion oder Epilepsiemedikamente wie Phenobarbital eingenommen hat, oder übermäßig Nikotin und Alkohol konsumiert hat, kann dies den Neurotransmitterhaushalt des Kindes beeinflussen. Besonders die Konzentration von GABA, Serotonin, Dopamin und Noradrenalin kann verändert werden, was langfristige Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung haben kann. Zudem kann sich das Gleichgewicht von Serotonin und Cortisol im Körper verändern, was die Fähigkeit zur Stressbewältigung und emotionalen Regulation beeinträchtigen kann.

ADHS kann unter anderem durch Sauerstoffmangel während der Geburt oder durch Infektionen während der Schwangerschaft entstehen, die das zentrale Nervensystem beeinträchtigen. Studien zeigen, dass Geburtskomplikationen wie Sauerstoffmangel, Frühgeburten und niedrige APGAR-Werte das Risiko für ADHS erhöhen können. Ein niedriger Apgar-Wert deutet darauf hin, dass ein Neugeborenes möglicherweise medizinische Unterstützung benötigt, um sich nach der Geburt zu stabilisieren. Der Apgar-Score wird eine Minute und fünf Minuten nach der Geburt erhoben und bewertet fünf Kriterien:
- Atmung
- Herzfrequenz
- Muskeltonus
- Reflexe
- Hautfarbe
Jedes Kriterium wird mit 0 bis 2 Punkten bewertet, sodass der Gesamtwert zwischen 0 und 10 liegen kann.
Interpretation niedriger Apgar-Werte
- 0–3 Punkte → Kritisch niedriger Wert, erfordert sofortige medizinische Maßnahmen.
- 4–6 Punkte → Moderat niedriger Wert, das Baby benötigt möglicherweise Unterstützung.
- 7–10 Punkte → Normaler Wert, das Baby passt sich gut an.
Ein niedriger Apgar-Wert kann durch Frühgeburt, Kaiserschnitt, Geburtskomplikationen oder Atemprobleme verursacht werden. Falls der Wert bei fünf Minuten weiterhin unter 7 liegt, wird er in fünf-Minuten-Intervallen bis zu 20 Minuten nach der Geburt erneut überprüft.
Außerdem wurde festgestellt, dass Infektionen während der Schwangerschaft, insbesondere solche, die Entzündungsreaktionen im Körper der Mutter auslösen, die Entwicklung des kindlichen Gehirns beeinflussen und das Risiko für ADHS steigern können.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die pränatale Hypoxie, also eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Fötus, die mit strukturellen und funktionellen Veränderungen im Gehirn in Verbindung gebracht wird. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung einer sorgfältigen medizinischen Betreuung in der Schwangerschaft und Geburt, um mögliche Risiken zu minimieren.
Bei Kindern können psychosoziale Risikofaktoren den Neurotransmitterhaushalt beeinflussen. Zum Beispiel können häufige Kritik und Bestrafung, inkonsequente Erziehungsmethoden ohne Regeln, unzumutbarer Druck in der Schule durch Lehrer und Kameraden, viel Streit in der Familie, beengende Wohnverhältnisse und finanzielle Probleme negativen Einfluss nehmen. Man untersucht derzeit noch, ob die Gabe von künstlichem Babypulver anstatt von Muttermilch ADHS begünstigen könnte, insofern eine genetische Disposition besteht. Zudem gilt der Einfluss von exzessivem Fernseh- und Social Media-Konsum auf das Gehirn, gerade bei ADHS, als bedenklich.
Es gibt es Krankheiten, die ADHS begünstigen und wiederum durch ADHS entstehen:
a. Depression und Dysthymie
ADHS ist eng mit Depressionen verbunden, da beide Erkrankungen eine gestörte Regulation von Dopamin und Noradrenalin aufweisen. Die mangelnde Fähigkeit, Belohnungen langfristig zu verarbeiten, führt bei ADHS-Betroffenen zu frustrationsbedingten Stimmungstiefs. Zudem zeigt die Forschung eine reduzierte Aktivität des präfrontalen Kortex, was die emotionale Selbstregulation beeinträchtigt.
Dysthymie, die chronische Form der Depression, tritt bei ADHS häufiger auf, da die Dauerstressreaktion zu langfristigen Veränderungen in der HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse) führt. Dies begünstigt eine anhaltende Kortisolausschüttung, die die Stimmung negativ beeinflussen kann.

b. Bipolare Störung
Genetische Studien zeigen eine signifikante Überlappung zwischen ADHS und bipolaren Störungen, insbesondere durch Dysfunktionen im dopaminergen System. Beide Erkrankungen sind mit einer veränderten Dopaminregulation verbunden, die sich auf Impulsivität, Stimmungsschwankungen und Entscheidungsfindung auswirkt.
Bei ADHS liegt häufig eine verminderte Dopaminaktivität im präfrontalen Kortex vor, was zu Problemen mit Impulskontrolle und Aufmerksamkeit führt. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass in bestimmten Hirnregionen, insbesondere im Striatum, eine übermäßige dopaminerge Aktivität auftreten kann, die impulsives Verhalten verstärkt.
Bei der bipolaren Störung hingegen zeigt sich eine extreme Schwankung der Dopaminaktivität, die zwischen manischen Hochphasen (übermäßige Dopaminfreisetzung) und depressiven Tiefphasen (reduzierte Dopaminaktivität) wechselt. Diese neurochemische Instabilität führt zu starken emotionalen Schwankungen, die sich von den impulsiven Stimmungsschwankungen bei ADHS unterscheiden, aber dennoch eine gemeinsame Grundlage haben.
Genetische Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Genvarianten, die mit ADHS in Verbindung stehen, auch das Risiko für bipolare Störungen erhöhen können. Besonders relevant sind Gene, die an der Dopamin-Signalübertragung beteiligt sind, darunter:
- DRD4 und DRD2 – Rezeptorgene, die die Dopaminempfindlichkeit beeinflussen.
- COMT – Ein Enzym, das Dopamin im präfrontalen Kortex abbaut und bei ADHS sowie bipolaren Störungen eine Rolle spielt.
- DAT1 – Ein Transporter-Gen, das die Wiederaufnahme von Dopamin reguliert und mit impulsivem Verhalten assoziiert ist.
Diese genetischen Gemeinsamkeiten könnten erklären, warum ADHS-Betroffene ein erhöhtes Risiko für bipolare Störungen haben, insbesondere wenn zusätzliche Umweltfaktoren wie chronischer Stress, Schlafmangel oder Drogenkonsum hinzukommen.
c. Angststörungen
ADHS-Betroffene haben eine höhere Aktivität der Amygdala, die für die Verarbeitung von Angst zuständig ist. Gleichzeitig zeigen sie eine verminderte präfrontale Kontrolle, die normalerweise angstbezogene Emotionen reguliert. Diese Kombination führt zu übermäßigen Sorgen und Panikattacken, die typisch für Angststörungen sind.
d. Zwangsstörungen (OCD)
Die Basalganglien, die bei der Impulskontrolle eine zentrale Rolle spielen, sind sowohl bei ADHS als auch bei Zwangsstörungen dysfunktional. Zudem sind Dopamin und Serotonin in beiden Störungen ungleichmäßig reguliert, was zu wiederholenden zwanghaften Gedanken und Handlungen führen kann.
e. Substanzmissbrauch
Menschen mit ADHS haben eine gestörte Funktion des Belohnungssystems, die sie anfälliger für Substanzmissbrauch macht. Dopamin, der Neurotransmitter für Motivation und Belohnung, ist bei ADHS oft nicht ausreichend verfügbar oder wird ineffizient verarbeitet. Dadurch empfinden Betroffene alltägliche positive Reize weniger intensiv, was sie dazu verleitet, künstliche Stimulationen durch Drogen, Alkohol, Kaffee oder Nikotin zu suchen.
Zusätzlich zeigt die Forschung, dass ADHS mit einer höheren Impulsivität verbunden ist, was die Fähigkeit zur bewussten Selbstkontrolle verringert. Das führt dazu, dass Betroffene risikoreicheres Verhalten zeigen und eher Substanzen konsumieren, die kurzfristig das Dopamin-Level erhöhen. Besonders problematisch ist, dass diese Stoffe oft einen schnellen Dopaminanstieg bewirken, gefolgt von einem starken Abfall, was zu erneutem Konsum führt – ein Mechanismus, der Suchtverhalten begünstigt.
Die Rolle des präfrontalen Kortex ist ebenfalls entscheidend: Bei ADHS ist seine hemmende Kontrolle über impulsive Handlungen vermindert, sodass Betroffene Schwierigkeiten haben, langfristige Konsequenzen ihres Verhaltens zu bedenken. Dadurch erhöht sich das Risiko, Substanzen regelmäßig oder exzessiv zu konsumieren, besonders in stressigen Situationen.
Studien zeigen, dass ADHS-Patienten häufiger früh mit Suchtmitteln in Kontakt kommen und später ein erhöhtes Risiko für Alkohol-, Nikotin- oder Drogensucht (auch Kaffee und Red Bull) haben. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass ADHS-Betroffene eine höhere Neigung zu Belohnungsaufschub-Problemen haben, was bedeutet, dass kurzfristige Befriedigung durch Substanzen attraktiver erscheint als langfristige Selbstkontrolle.
f. Intermittierende explosive Störung (IED)
Menschen mit ADHS reagieren oft impulsiv und intensiv auf Stressreize, da ihr noradrenerges System überaktiv ist. Der Locus coeruleus, eine Hirnregion, die Wachsamkeit und Stressregulation steuert, zeigt bei ADHS eine verstärkte Aktivität. Dadurch werden selbst geringe negative Reize als besonders bedrohlich empfunden. Gleichzeitig ist der präfrontale Kortex, der Impulskontrolle und Emotionsregulation übernimmt, bei ADHS weniger aktiv. Dies erschwert die bewusste Steuerung von Wut und Frustration.
Während neurotypische Menschen emotionale Reaktionen durch präfrontale Kontrolle dämpfen, ist diese Hemmung bei ADHS schwächer ausgeprägt. Zusätzlich verstärkt die hyperaktive Amygdala emotionale Intensität und erschwert eine rationale Verarbeitung von Frustration. Die Dopamin-Dysfunktion spielt ebenfalls eine Rolle: Ein niedriger Dopaminspiegel kann dazu führen, dass Belohnungen weniger intensiv wahrgenommen werden und Emotionen weniger gut reguliert sind. Dies erklärt, warum ADHS-Betroffene plötzliche Wutausbrüche erleben und Schwierigkeiten haben, ihre Emotionen zu modulieren.
g. Schlafstörungen
ADHS-Betroffene leiden häufig unter Schlafstörungen, die durch eine gestörte Melatoninproduktion, Hyperaktivität und exzessive Gedankenaktivität verursacht werden. Diese Faktoren führen zu Schwierigkeiten beim Einschlafen, unruhigem Schlaf und frühzeitigem Erwachen. Es gibt mehrere spezifische Schlafstörungen, die bei ADHS besonders häufig auftreten:
- Insomnie – Schwierigkeiten beim Einschlafen, häufiges nächtliches Erwachen oder frühzeitiges Aufwachen ohne erholsamen Schlaf. Studien zeigen, dass zwischen 43 % und 80 % der Erwachsenen mit ADHS unter Insomnie leiden.
- Restless-Legs-Syndrom (RLS) – Ein unangenehmer Bewegungsdrang in den Beinen, der besonders abends und nachts auftritt und das Einschlafen erschwert.
- Schlafapnoe – Atemaussetzer während des Schlafs, die zu häufigem Erwachen und Tagesmüdigkeit führen. ADHS-Betroffene haben ein erhöhtes Risiko für diese Störung.
- Verzögerte Schlafphase (Delayed Sleep Phase Syndrome, DSPS) – Eine gestörte innere Uhr, die dazu führt, dass Betroffene erst sehr spät müde werden und morgens Schwierigkeiten haben, aufzuwachen.
- Fragmentierter Schlaf – Häufige Unterbrechungen des Schlafs durch unruhige Bewegungen oder nächtliches Grübeln, was die Schlafqualität erheblich beeinträchtigt.
Diese Schlafstörungen können die kognitive Leistungsfähigkeit, emotionale Regulation und allgemeine Lebensqualität von ADHS-Betroffenen stark beeinflussen. Eine gezielte Behandlung durch Schlafhygiene, Verhaltenstherapie und gegebenenfalls medikamentöse Unterstützung kann helfen, die Schlafqualität zu verbessern.

h. Migräne
Neurologische Studien zeigen eine erhöhte Sensibilität der Schmerzverarbeitung bei ADHS-Betroffenen, wodurch Migräneanfälle häufiger auftreten. Zudem ist die serotonerge Dysfunktion ein gemeinsamer Mechanismus beider Erkrankungen.
Eine relevante Studie zur Verbindung zwischen ADHS und Migräne ist die Untersuchung von Fasmer et al., die die Prävalenz von Migräne bei Erwachsenen mit ADHS analysierte. Sie fanden heraus, dass 28,3 % der 572 ADHS-Betroffenen Migräne hatten, während in der Kontrollgruppe ohne ADHS nur 19,2 % betroffen waren.
i. Oppositionelle Trotzstörung (ODD)
Die oppositionelle Trotzstörung (ODD) tritt häufig in Verbindung mit ADHS auf und ist durch anhaltendes widersetzliches, trotziges und feindseliges Verhalten gegenüber Autoritäten gekennzeichnet. Kinder und Jugendliche mit ODD zeigen oft extreme Reizbarkeit, Wutausbrüche und eine ausgeprägte Verweigerungshaltung, die über das normale Maß hinausgehen. Ein zentraler Mechanismus hinter dieser Verbindung ist die gestörte Impulskontrolle bei ADHS, die dazu führt, dass Betroffene Schwierigkeiten haben, ihre Emotionen zu regulieren. Während neurotypische Kinder Frustration durch präfrontale Kontrolle dämpfen können, ist diese Hemmung bei ADHS-Betroffenen oft schwächer ausgeprägt. Dies kann dazu führen, dass sie auf Kritik oder Regeln mit sofortiger Ablehnung oder aggressivem Verhalten reagieren.
Zusätzlich spielt die überempfindliche Stressreaktion eine entscheidende Rolle. Kinder mit ADHS haben oft eine verstärkte Aktivität der Amygdala, die emotionale Reize intensiver verarbeitet. Dadurch erleben sie Konflikte oder Einschränkungen als besonders belastend und reagieren impulsiv mit Trotz oder Wut. Diese emotionale Überreaktion kann sich in bewusstem Widerstand gegen Anweisungen, Provokationen oder aggressivem Verhalten äußern.
Ein weiterer Faktor ist die gestörte Frustrationstoleranz. ADHS-Betroffene haben Schwierigkeiten, Belohnungen aufzuschieben und reagieren oft impulsiv, wenn sie ihre Ziele nicht sofort erreichen. Dies kann dazu führen, dass sie sich gegen Regeln oder Autoritäten auflehnen, da sie Einschränkungen als persönliche Angriffe wahrnehmen. Die Kombination aus ADHS und ODD kann zu häufigen Konflikten in Schule, Familie und sozialen Beziehungen führen. Eine gezielte Therapie, die sowohl die Impulskontrolle als auch die emotionale Regulation stärkt, ist entscheidend, um langfristige Verhaltensprobleme zu vermeiden. Verhaltenstherapeutische Ansätze, soziale Kompetenztrainings und gegebenenfalls medikamentöse Unterstützung können helfen, die Symptome zu mildern und die Selbstregulation zu verbessern.
j. Soziale Phobie
Die Kombination aus Aufmerksamkeitsproblemen, sensorischer Überladung und Unsicherheit in sozialen Kontexten kann soziale Ängste verstärken. Betroffene haben Schwierigkeiten, soziale Signale zu entschlüsseln, was zur Entwicklung einer sozialen Phobie beitragen kann.
k. Lernstörungen
ADHS beeinflusst das Arbeitsgedächtnis und die exekutiven Funktionen, die für das Lesen, Schreiben und Rechnen entscheidend sind. Diese kognitiven Prozesse sind eng mit der Funktion des präfrontalen Kortex verbunden, der bei ADHS oft eine verminderte Aktivität zeigt. Dadurch fällt es Betroffenen schwer, Informationen effizient zu speichern und abzurufen, was sich direkt auf das Lernen auswirkt.
Legasthenie (Lese- und Rechtschreibstörung)
Legasthenie ist eine spezifische Lernstörung, die das Erkennen, Verarbeiten und Wiedergeben von Schriftzeichen erschwert. ADHS-Betroffene haben oft Schwierigkeiten mit:
- Phonologischer Verarbeitung – Das Zuordnen von Lauten zu Buchstaben fällt schwer.
- Lesefluss und -verständnis – Texte werden langsamer gelesen und schwieriger verstanden.
- Rechtschreibung – Wörter werden inkonsistent geschrieben, da die visuelle und auditive Verarbeitung beeinträchtigt ist.
Dyskalkulie (Rechenstörung)
Dyskalkulie betrifft die Fähigkeit, Zahlen und mathematische Konzepte zu verstehen. ADHS-Betroffene haben oft Probleme mit:
Arbeitsgedächtnis – Schwierigkeiten, Zahlenfolgen oder Rechenschritte im Kopf zu behalten.
Zahlenverständnis – Schwierigkeiten, Mengen und Zahlenverhältnisse zu erfassen.
Rechenoperationen – Probleme mit Addition, Subtraktion und komplexeren mathematischen Abläufen.
l. Essstörungen
Studien zeigen, dass ADHS mit einer gestörten Regulation der appetitsteuernden Hormone Leptin und Ghrelin verbunden ist, was das Essverhalten erheblich beeinflussen kann. Leptin ist ein Sättigungshormon, das dem Gehirn signalisiert, wann genug Nahrung aufgenommen wurde. Bei ADHS-Betroffenen sind die Leptinwerte oft erhöht, was paradox erscheint, da dies eigentlich zu einem geringeren Hungergefühl führen sollte. Allerdings kann eine gestörte Dopaminregulation dazu führen, dass das Belohnungssystem nicht richtig auf Leptinsignale reagiert, sodass Betroffene trotz hoher Leptinspiegel weiterhin essen, um eine Dopaminfreisetzung zu stimulieren. Dies kann zu Binge-Eating führen, da impulsives Verhalten und eine gestörte Selbstkontrolle das Essverhalten zusätzlich beeinflussen.
Ghrelin hingegen ist ein Hungerhormon, das den Appetit steigert. Studien zeigen, dass ADHS-Betroffene oft abweichende Ghrelinwerte haben, was zu unregelmäßigen Essgewohnheiten führt. Ein niedriger Ghrelinspiegel kann dazu beitragen, dass Betroffene Mahlzeiten auslassen und später unkontrolliert große Mengen essen. Gleichzeitig kann eine gestörte Selbstwahrnehmung dazu führen, dass ADHS-Betroffene ihr Essverhalten nicht bewusst regulieren, was das Risiko für Anorexie erhöht.
Zusätzlich beeinflusst die Dopamin-Dysfunktion bei ADHS die Fähigkeit, Belohnungen durch Essen richtig zu verarbeiten. Während neurotypische Menschen durch eine ausgewogene Mahlzeit eine stabile Dopaminfreisetzung erleben, benötigen ADHS-Betroffene oft stärkere Reize, um eine ähnliche Wirkung zu erzielen. Dies kann dazu führen, dass sie entweder exzessiv essen (Binge-Eating) oder Essen komplett vermeiden (Anorexie), um ihre neuronale Aktivität zu regulieren. Die Behandlung dieser Essstörungen erfordert eine ganzheitliche Strategie, die sowohl die Neurotransmitterbalance als auch die hormonelle Regulation berücksichtigt. Verhaltenstherapie, gezielte Ernährungsstrategien und gegebenenfalls medikamentöse Unterstützung können helfen, das Essverhalten zu stabilisieren und die zugrunde liegenden neurobiologischen Mechanismen auszugleichen.
m. Tics und Tourette-Syndrom
ADHS und das Tourette-Syndrom sind eng miteinander verknüpft, da beide Störungen mit einer Dopamin-Dysregulation und gestörter Impulssteuerung zusammenhängen. Die Basalganglien, eine Hirnregion, die für die Steuerung von Bewegungen und Verhalten verantwortlich ist, spielen dabei eine zentrale Rolle.
Neurobiologische Verbindung zwischen ADHS und Tourette
Bei ADHS zeigt sich eine verminderte Dopaminaktivität im präfrontalen Kortex, was zu Aufmerksamkeitsproblemen und Impulsivität führt. Beim Tourette-Syndrom hingegen gibt es Hinweise auf eine übermäßige dopaminerge Aktivität in den Basalganglien, die unkontrollierte Bewegungen und vokale Tics auslösen kann.
Ein weiterer wichtiger Mechanismus ist die Cortico-Striato-Thalamo-Cortical (CSTC)-Schleife, die für motorische Kontrolle und Verhaltensregulation zuständig ist. Bei ADHS und Tourette sind diese neuronalen Schaltkreise gestört, was zu impulsiven Handlungen und unwillkürlichen Bewegungen führen kann.
Wie ADHS die Tic-Symptomatik beeinflussen kann
Menschen mit ADHS haben oft eine motorische Unruhe, die sich in Tics verstärken kann. Die mangelnde Impulskontrolle bei ADHS kann dazu führen, dass Tics häufiger auftreten oder schwerer zu unterdrücken sind. Zudem kann die emotionale Dysregulation bei ADHS die Intensität der Tics beeinflussen, da Stress und emotionale Erregung bekannte Verstärkungsfaktoren für Tourette-Symptome sind.
Therapeutische Ansätze
Neurofeedback: Studien zeigen, dass gezieltes Training der Gehirnwellenaktivität helfen kann, die Impulskontrolle zu verbessern und Tics zu reduzieren.
Medikamentöse Behandlung: Stimulanzien wie Methylphenidat können ADHS-Symptome verbessern, aber in einigen Fällen auch Tics verstärken. Alternativen wie Alpha-Agonisten (z. B. Clonidin) können sowohl ADHS als auch Tourette-Symptome positiv beeinflussen.
Verhaltenstherapie: Techniken wie Habit-Reversal-Training helfen Betroffenen, ihre Tics bewusst zu kontrollieren und zu reduzieren.

n. Schizophrenie
ADHS und psychotische Erkrankungen, insbesondere Schizophrenie, teilen mehrere neurobiologische Gemeinsamkeiten, die das erhöhte Risiko für psychotische Symptome bei ADHS-Betroffenen erklären. Eine zentrale Rolle spielt die Dopaminregulation, die bei beiden Störungen gestört ist.
Dopamin-Dysfunktion als gemeinsamer Mechanismus
Dopamin ist ein entscheidender Neurotransmitter für Aufmerksamkeit, Motivation und Wahrnehmung. Bei ADHS zeigt sich häufig eine verminderte Dopaminaktivität im präfrontalen Kortex, was zu Konzentrationsproblemen und Impulsivität führt. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass in bestimmten Hirnregionen, insbesondere im Striatum, eine übermäßige dopaminerge Aktivität auftreten kann. Bei Schizophrenie hingegen ist die Dopaminüberaktivität im mesolimbischen System ein zentraler Faktor für Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Diese dopaminerge Dysfunktion überschneidet sich mit ADHS, insbesondere bei Betroffenen, die zusätzlich unter impulsiven oder emotional instabilen Symptomen leiden.
Genetische Überschneidungen zwischen ADHS und Psychosen
Studien zeigen, dass bestimmte Genvarianten, die mit ADHS in Verbindung stehen, auch das Risiko für psychotische Erkrankungen erhöhen können. Besonders relevant sind Gene, die an der Dopamin-Signalübertragung beteiligt sind, darunter:
DRD4 und DRD2 – Rezeptorgene, die die Dopaminempfindlichkeit beeinflussen.
COMT – Ein Enzym, das Dopamin im präfrontalen Kortex abbaut und bei ADHS sowie Schizophrenie eine Rolle spielt.
DAT1 – Ein Transporter-Gen, das die Wiederaufnahme von Dopamin reguliert und mit impulsivem Verhalten assoziiert ist.
Diese genetischen Gemeinsamkeiten könnten erklären, warum ADHS-Betroffene ein erhöhtes Risiko für psychotische Symptome haben, insbesondere wenn zusätzliche Umweltfaktoren wie chronischer Stress, Schlafmangel oder Drogenkonsum hinzukommen.
Neuroanatomische Gemeinsamkeiten
Bildgebende Verfahren zeigen, dass sowohl ADHS als auch Schizophrenie mit strukturellen Veränderungen im Gehirn verbunden sind. Besonders betroffen sind:
+ Der präfrontale Kortex – Bei ADHS unteraktiv, bei Schizophrenie oft dysfunktional in der Impulskontrolle.
+ Das Striatum – Eine Region, die an der Dopaminregulation beteiligt ist und bei beiden Störungen Auffälligkeiten zeigt.
+ Die Amygdala – Bei ADHS oft überaktiv, bei Schizophrenie kann sie zu verzerrter emotionaler Wahrnehmung beitragen.
Psychotische Symptome bei ADHS-Betroffenen
Während ADHS keine klassische psychotische Erkrankung ist, können einige Betroffene episodische psychotische Symptome erleben, darunter:
+ Wahrnehmungsverzerrungen – Überempfindlichkeit gegenüber Reizen, die als Halluzinationen fehlinterpretiert werden können.
+ Paranoide Gedanken – Impulsivität und emotionale Dysregulation können zu übersteigerten Misstrauensgefühlen führen.
+ Dissoziative Zustände – Schwierigkeiten in der Selbstwahrnehmung und Realitätsverarbeitung.
Medikamentöse Einflüsse auf Psychose-Risiko
Ein weiterer relevanter Faktor ist die Medikation von ADHS. Stimulanzien wie Methylphenidat und Amphetamine erhöhen die Dopaminverfügbarkeit, was in seltenen Fällen psychotische Symptome auslösen kann, insbesondere bei hohen Dosierungen oder genetischer Prädisposition.
o. Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
ADHS-Betroffene haben eine höhere Stressreaktivität und erleben traumatische Ereignisse intensiver. Eine dysfunktionale Amygdala kann dazu beitragen, dass traumatische Erinnerungen überaktiv gespeichert werden.
p. Schilddrüsenstörungen
Die Schilddrüse spielt eine zentrale Rolle in der Regulation des Stoffwechsels, der Gehirnfunktion und der Energieproduktion. Ihre Hormone, insbesondere Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), sind essenziell für die neuronale Signalübertragung und die Aktivität des zentralen Nervensystems. Ein Hormonungleichgewicht, insbesondere eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), kann die ADHS-Symptome deutlich verschlimmern. Dies liegt daran, dass niedrige Schilddrüsenhormonwerte zu einer Verlangsamung der kognitiven Verarbeitung, verminderter Konzentrationsfähigkeit und erhöhtem Müdigkeitsgefühl führen. Studien zeigen, dass Schilddrüsenhormone eine direkte Auswirkung auf die Dopaminregulation haben – ein zentraler Mechanismus bei ADHS.
Ein Mangel an T3 und T4 reduziert die Aktivität des präfrontalen Kortex, was die Exekutivfunktionen, darunter Impulskontrolle, Gedächtnis und Organisationsfähigkeit, zusätzlich beeinträchtigen kann. Zudem wirkt sich eine Schilddrüsenunterfunktion auf den Neurotransmitter Noradrenalin aus, der für Wachheit und Aufmerksamkeit erforderlich ist. Dies kann zu Symptomen wie geistiger Verlangsamung, depressiven Verstimmungen und verminderter Motivation führen, die sich mit ADHS überschneiden.
Ein weiteres Problem ist der Einfluss der Schilddrüse auf die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA-Achse). Ist diese Achse gestört, steigt die Cortisolproduktion, was die Stressverarbeitung weiter erschwert und ADHS-Symptome verstärkt. Neben Hypothyreose gibt es auch Hyperthyreose, die zu einer übermäßigen Schilddrüsenhormonproduktion führt und Symptome wie innere Unruhe, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme verursachen kann – Probleme, die bei ADHS ohnehin häufig auftreten.
Die Behandlung von Schilddrüsenstörungen kann die Symptomatik von ADHS positiv beeinflussen. Eine gezielte Schilddrüsenhormontherapie, kombiniert mit angepasster Ernährung (jodreiche Lebensmittel, gesunde Fette) und Stressmanagement, kann dazu beitragen, die geistige Leistungsfähigkeit zu stabilisieren. Besonders wichtig ist eine regelmäßige Laborkontrolle der Schilddrüsenwerte, um eine unerkannte Dysfunktion zu vermeiden.
q. Epilepsie
Beide Störungen teilen neurobiologische Mechanismen in den Basalganglien und dem präfrontalen Kortex. Zudem gibt es Überschneidungen in der neuronalen Erregbarkeit, die bei Epilepsie zu Krampfanfällen und bei ADHS zu Hyperaktivität führen können.

r. Asperger-Autismus
ADHS und Asperger-Autismus teilen mehrere neurobiologische Gemeinsamkeiten, insbesondere in der Verarbeitung sozialer Reize, Impulskontrolle und sensorischen Wahrnehmung. Beide Störungen sind mit einer veränderten Dopamin- und Glutamatregulation verbunden, wodurch die Kommunikation zwischen neuronalen Netzwerken gestört sein kann.
Ein zentraler neurobiologischer Überschneidungspunkt ist der präfrontale Kortex, der für soziale Interaktion, Impulssteuerung und Handlungsplanung verantwortlich ist. Bei ADHS ist die dopaminerge Aktivität verringert, wodurch Betroffene Schwierigkeiten haben, ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren und Emotionen situationsgerecht zu regulieren. Bei Autismus zeigt sich eine atypische neuronale Verknüpfung im sozialen Verarbeitungssystem, was die Interpretation von Mimik, Gestik und zwischenmenschlicher Dynamik erschwert. Die Amygdala, die emotionale Reize bewertet, ist bei beiden Störungen atypisch aktiv – bei ADHS kann sie zu einer übermäßigen emotionalen Reaktion führen, während sie bei Autismus oft eine verminderte emotionale Resonanz erzeugt. Zudem ist die Funktion der Basalganglien, die an motorischer Koordination und Verhaltensflexibilität beteiligt sind, in beiden Fällen verändert, was sich in impulsiven oder repetitiven Handlungen äußern kann.
Ein weiterer Aspekt sind sensorische Besonderheiten: ADHS-Betroffene können durch Hyperaktivität und Reizüberflutung schnell überfordert sein, während Autisten oft eine verstärkte oder verminderte sensorische Verarbeitung haben. Diese Mechanismen werden durch Glutamat-Dysfunktionen beeinflusst, da Glutamat eine zentrale Rolle in der neuronalen Signalübertragung und Reizverarbeitung spielt. Genetische Untersuchungen zeigen zudem gemeinsame Risikovarianten in neurobiologischen Signalwegen, insbesondere in Genen, die mit der Synapsenbildung und neuronalen Plastizität zusammenhängen. Dies bestätigt die enge Verbindung beider Störungen auf molekularer Ebene. Die Schnittmenge zwischen ADHS und Asperger-Autismus bedeutet, dass Behandlungsansätze individuell angepasst werden sollten, um sowohl Impulskontrolle als auch soziale Verarbeitung gezielt zu fördern. Verhaltenstherapie, sensorische Integration und gezielte neurobiologische Ansätze (z. B. Optimierung der Dopamin- und Glutamatbalance) können dazu beitragen, Herausforderungen in beiden Störungsbildern gezielt zu adressieren.
Diese Erkrankungen können sich gegenseitig beeinflussen und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Neurologische ADHS-Ursachen
ADHS ist auf eine Störung im Frontalgehirn zurückzuführen, die sich durch Durchblutungsstörungen und einen verminderten Verbrauch von Blutzucker im frontalen Hirnabschnitt zeigt. Diese Dysfunktion führt zu einem Ungleichgewicht der Neurotransmitter, die für essenzielle Prozesse wie Stressausgleich, innere Ruhe, Motivation, Reizverarbeitung, Koordination und Konzentration verantwortlich sind.
Besonders auffällig bei ADHS-Betroffenen sind erhöhte Werte des Stresshormons Cortisol, das bei anhaltender Dysregulation negative Auswirkungen auf das emotionale Gleichgewicht und die Impulskontrolle haben kann. Gleichzeitig werden die für Aufmerksamkeit und Motivation entscheidenden Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin zu schnell abgebaut, wodurch ihre Konzentration im Gehirn unzureichend ist.
Auch Serotonin, das maßgeblich zur Impulskontrolle und zur Förderung positiver Emotionen beiträgt, ist bei ADHS-Betroffenen oft in geringeren Mengen vorhanden. Diese biochemische Besonderheit erklärt, warum Betroffene häufig mit Unruhe, Konzentrationsproblemen und emotionalen Schwankungen zu kämpfen haben.
Die neurobiologischen Ursachen von ADHS zeigen, dass die Störung nicht auf mangelnde Disziplin oder äußere Faktoren zurückzuführen ist, sondern tief in der Funktionsweise des Gehirns verankert ist. Dieses Wissen bildet die Grundlage für moderne Behandlungsansätze, die darauf abzielen, die Botenstoffbalance zu stabilisieren und Betroffenen zu helfen, ihre Symptome gezielt zu managen.
ADHS Diagnostik Kinder
Viele Kinder sind unaufmerksam und unruhig, leiden jedoch nicht unter dieser Störung. Daher kann die ADHS-Diagnostik nur von einem Spezialisten bzw. Psychotherapeuten ausgeführt werden, der sich mit der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten bestens auskennt.
Wichtig: Die Störung setzt spätestens nach der Geburt ein. Die Symptome sind also bereits in der frühen Kindheit zu verzeichnen und treten allerspätestens mit 7 Jahren auf. Nur, wenn die Verhaltensauffälligkeiten über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten bestehen und sich auf alle Lebensbereiche, also auf Freizeit, Schule/Kindergarten und Familie, auswirken, dann lautet die Diagnose ADHS.
ADHS Diagnostik Erwachsene
ADHS-Betroffene, deren Störung in der Kindheit nicht erkannt wurde, sehen sich oft mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert, da die Erkrankung tiefgreifende Auswirkungen auf alle Lebensbereiche haben kann – sei es in Freundschaften, der Partnerschaft, dem Beruf, dem Familienleben oder der Freizeitgestaltung.
Da ihre Symptome häufig falsch interpretiert werden, erfahren viele Betroffene Missverständnisse und Vorurteile. Ihr Verhalten wird oft nicht als Folge einer neurologischen Störung erkannt, sondern fälschlicherweise als Faulheit, Unfähigkeit, Aggressivität, Chaos, Unreife oder Vorlautheit gewertet. Dies kann dazu führen, dass sie sich ausgegrenzt fühlen und mit Selbstzweifeln kämpfen, während ihr tatsächlicher Unterstützungsbedarf übersehen wird.

Wie wird ADHS diagnostiziert?
Zur ADHS-Diagnose werden verschieden Verfahren herangezogen. Dazu zählen:
- Die Anamnese: Der Arzt sammelt im Vorgespräch Informationen zu Krankheitsgeschichte, Medikamenteneinnahme, Erbkrankheiten und typischen Verhaltensweisen. Bei Erwachsenen wird anhand von Fragebögen ermittelt, ob die Störung vorliegt (siehe ADHS-Tests).
- Körperliche Untersuchung mit EKG, um andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können (z. B. Schilddrüse), auszuschließen. Gerade bei Jugendlichen und Erwachsenen wird untersucht, ob eine andere Grunderkrankung vorliegt. Depression oder Suchterkrankungen wurden oft in Verbindung mit ADHS beobachtet. Auch Störungen im Sozialverhalten, Lernschwierigkeiten, Angstzustände und andere Symptome werden auf Auffälligkeit untersucht, da all diese Erkrankungen nicht nur mögliche Begleiterscheinungen, sondern auch die ADHS-Symptome verschlimmern können.
- Blutbild: Es wird ein großes Blutbild vorgenommen, bei dem u. a. Neurotransmitter, Schilddrüsenparameter und andere Werte gemessen werden, um andere Krankheiten auszuschließen.
- EEG (Elektroenzephalografie): Durch die Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns anhand der Aufzeichnung von Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche wird festgestellt, ob eine Tendenz zu ADHS vorliegt.
- Ein wichtiger Teil der ADHS-Diagnostik ist die Verhaltensbeobachtung durch andere. Daher ist es für den Arzt wichtig, Gespräche mit Bezugspersonen, Erziehern, Lehrern, Eltern und Partner zu führen.
- Bei Kindern wird die schulische Leistung untersucht. Eventuell sind Gespräche mit Lehrern und die Begutachtung der Zeugnisse hilfreich.
- Durchführung von speziellen ADHS-Tests: Es gibt spezielle ADHS-Fragebögen beim Arzt oder bei anderen ADHS-Stellen. Dabei können kognitive Leistungsfähigkeit und Aufmerksamkeitsfähigkeit getestet werden. Im Internet steht ebenfalls ein ADHS-Konzentrationstest kostenlos zu Verfügung.
ADHS Behandlung
Was hilft bei ADHS?
Die richtige Behandlung kann helfen, die ADHS-Symptome zu bewältigen und sich besser zu fühlen, obwohl die psychische Krankheit bis dato nicht heilbar ist. Die wirksame Behandlung von ADHS umfasst oft mehrere Ansätze:
Nicht-medikamentöse und medikamentöse Therapiebausteine
Es kommt bei den Betroffenen wesentlich auf die Art und Intensität der Symptome an, daher entscheidet der Arzt nach der eingehenden Diagnose zusammen mit dem Patienten bzw. den Eltern des Patienten, welche die beste Vorgehensweise ist.
Bewährte Behandlungsmöglichkeiten: Therapie-Systeme
- Psychotherapie
- Verhaltenstherapie
- Medikamentengabe
- Kombinationstherapie in einer ADHS Klinik
- Elternschulung (siehe ADHS bei Kindern behandeln)
ADHS-Therapie
ADHS Erwachsene Behandlung
Es gibt verschiedene Ansätze zur Behandlung von ADHS bei Erwachsenen, die individuell angepasst werden können. Psychotherapie spielt eine zentrale Rolle, da sie nicht nur hilft, Symptome besser zu bewältigen, sondern auch die emotionale Verarbeitung und die Selbstkontrolle unterstützt. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass eine gezielte therapeutische Begleitung positive Auswirkungen auf die neurobiologische Entwicklung haben kann.
Viele Erwachsene mit ADHS erleben Herausforderungen in ihren sozialen Beziehungen – sei es mit Partnern, Kollegen oder Autoritätspersonen. Die Psychotherapie kann dazu beitragen, Kommunikationsstrategien zu verbessern, Konflikte zu reduzieren und soziale Kompetenzen zu stärken. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) hat sich als besonders effektiv erwiesen, da sie Betroffenen hilft, impulsives Verhalten zu regulieren und bessere Entscheidungsstrategien zu entwickeln. Darüber hinaus gibt es neue Erkenntnisse über die Verbindung zwischen ADHS und Schlafproblemen, Angststörungen oder Depressionen, die oft gemeinsam auftreten. Eine frühzeitige therapeutische Intervention kann helfen, diese zusätzlichen Herausforderungen zu bewältigen und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.

Verhaltenstherapie
Das Ziel der Verhaltenstherapie besteht darin, den Betroffenen beizubringen, wie sie ihr Verhalten erkennen, überwachen und ändern können. Dabei werden Strategien entwickelt, wie sie sich in bestimmten, immer wiederkehrenden Situationen verhalten können. Diese Strategien beinhalten oft eine Art direktes Feedback, um das Erlernen geeigneter Verhaltensweisen zu unterstützen. Zum Beispiel könnte bei Kindern ein Belohnungssystem entwickelt werden, um das positive Verhalten zu unterstützen.
Kognitive Verhaltenstherapie
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), auch Coaching genannt, zählt zu den häufigsten Behandlungsansätzen bei ADHS. Sie ist eine problemorientierte Form der Psychotherapie, die darauf abzielt, negative Denkmuster zu erkennen, zu verändern und durch konstruktivere Denkweisen zu ersetzen. Dies geschieht durch die gezielte Bearbeitung aktueller Herausforderungen. Anders als die Psychoanalyse, die sich mit der Vergangenheit beschäftigt, konzentriert sich die KVT auf konkrete Lösungsansätze im Hier und Jetzt. Die Patienten erlernen unter anderem ein verbessertes Zeitmanagement und eine bessere Organisation. Zudem trainieren sie den Umgang mit irrationalen Denkmustern, die dazu führen können, dass Menschen mit ADHS Schwierigkeiten haben, sich zu fokussieren und nicht abzuschweifen.
Training der sozialen Kompetenzen
Da ADHS mit impulsivem Verhalten und verminderter Stressresistenz verbunden sein kann, haben viele Betroffene Schwierigkeiten mit Lehrern, Mitschülern, Kollegen und Vorgesetzten. Das Training zum Erlernen sozialer Fähigkeiten kann diesen Menschen helfen, zu lernen, wie sie angemessen auf andere zugehen und entsprechend reagieren können. Wie bei der KVT besteht das Ziel des sozialen Kompetenztrainings darin, neue und angemessenere Verhaltensweisen zu erlernen. Dies hilft einer Person mit ADHS besonders auf der Arbeit und in der Schule.
ADHS bei Kindern behandeln durch Elterntraining
Den Eltern soll bei diesem Training mehr Sicherheit im Umgang mit den betroffenen Kindern und mehr Erziehungskompetenz im Alltag vermittelt werden. Die Eltern können dadurch viel besser auf das Verhalten des Kindes einwirken und ihm helfen, angemessen zu reagieren. Es werden in der Regel folgende Techniken und Maßnahmen vorgestellt:
- Belohnungssystem für gutes Verhalten: Die Eltern könnten z. B. ein Punktesystem einführen, bei dem die Kinder für jede gute Tat Punkte erhalten.
- Auszeiten bei schlechtem Verhalten: Auszeiten sind gewaltlose und wirkungsvolle Erziehungsmaßnahmen für ADHS-Kinder.
- Kreativtage oder -zeiten: Die Zusammengehörigkeit und Motivation des Kindes soll durch gemeinsame Erlebnisse, bei denen Eltern einmal die Woche mit dem Kind eine angenehme oder entspannende Aktivität einplanen, gestärkt werden. In dieser gemeinsamen Zeit suchen die Eltern nach Gelegenheiten, um auf die Stärken des Kindes einzugehen und seine Fähigkeiten zu loben.
- Stressbewältigungsmaßnahmen: Die Eltern führen bei dem Kind Methoden wie Meditation, Entspannungstechniken und Bewegung, um Stress zu bewältigen, ein.
Was ist eine ADHS Klinik?
Viele medizinische und psychotherapeutische Einrichtungen oder Kliniken bieten spezifische Behandlungsmöglichkeiten bei ADHS an. Neben ambulanten ADHS-Behandlungen gewinnt die stationäre Therapie von ADHS-Patienten sowohl für Kinder, Jugendliche als auch Erwachsene zunehmend an Bedeutung. Die aktuellen ADHS-Konzepte in Kliniken sollen Patienten auf das Alltagsleben nach dem Klinikaufenthalt vorbereiten. Es haben sich mehrwöchige Krankenhaus-Aufenthalte als effektiv erwiesen, da sich die Patienten in dieser Zeit voll und ganz auf ihre Genesung bzw. das auf Training angemessener Verhaltensweisen für den anschließenden Alltag konzentrieren können. Die Therapie wird in der Regel von entspannenden und kreativitätsfördernden Maßnahmen begleitet. Es gibt ADHS-Kliniken, die sich in Urlaubsregionen befinden und daher zusätzlich zur regulären Therapie interessante Freizeitaktivitäten anbieten. Dies kann die Motivation der Teilnehmer und den Behandlungsfortschritt ungemein fördern.
Welche Medikamente helfen bei ADHS?
Wenn die alltägliche Routine durch ADHS eingeschränkt wird, dann ist die geeignete Medikamentengabe die zuverlässigste Maßnahme, bei der die Betroffenen ein zufriedenstellendes Ergebnis begrüßen. Medikamente gegen ADHS haben das Ziel, den Stoffwechsel im Gehirn positiv zu beeinflussen und somit die Symptomatik zu lindern. Durch die regelmäßige Medikamentengabe wird ein stabiler Neurotransmitterhaushalt erzielt, was den Betroffenen dabei hilft, ihr Leben und die sozialen Beziehungen besser in den Griff zu bekommen.

Wirkung Medikamente: ADHS
Mithilfe von Medikamenten aus zwei verschiedenen Kategorien kann man ADHS bei Kindern und auch bei Erwachsenen behandeln. Es gibt hier zahlreiche Studien, die belegen, dass die Symptome durch die Einnahme weniger auftreten und die Patienten sich ruhiger und konzentrierter fühlen.
- Stimulanzien des zentralen Nervensystems
Bei Menschen mit ADHS wird Dopamin, ein entscheidender Neurotransmitter für Motivation, Konzentration und Impulssteuerung, im synaptischen Spalt der Nervenzellen schneller abgebaut als üblich. Diese vorzeitige Wiederaufnahme führt dazu, dass Betroffene Schwierigkeiten haben, ihre Aufmerksamkeit gezielt zu steuern, impulsive Handlungen zu kontrollieren und sich über längere Zeit auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Hier setzt die Wirkung von Medikamenten wie Methylphenidat (z. B. Ritalin) und Amphetamin an. Diese Substanzen wirken gezielt auf die sogenannten Dopamin-Transporter, indem sie deren Funktion blockieren. Dadurch wird der Dopaminspiegel im synaptischen Spalt erhöht und länger verfügbar gehalten, was die Signalübertragung verbessert und den Betroffenen hilft, ihre Aufmerksamkeit gezielter zu steuern und ihre Impulsivität besser zu regulieren. Auf die gleiche Wiese wirken diese Medikamente auch auf den Neurotransmitter Noradrenalin ein. Noradrenalin ist ein Neurotransmitter und Hormon, das die Aufmerksamkeit und Konzentration steigert, die Stressreaktion reguliert, die emotionale Balance beeinflusst, den Blutdruck kontrolliert und den Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützt.
Die folgenden ADHS-Medikamente sind Stimulanzien des zentralen Nervensystems, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen und wirken, indem sie die Konzentration der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin erhöhen.
Bei Menschen mit ADHS haben diese Stimulanzien eine paradox beruhigende Wirkung.
Sie führen zu einer Verringerung der Hyperaktivität und einer Verbesserung der Aufmerksamkeitsspanne. Insgesamt wird die Konzentration verbessert.
Folgende verschreibungspflichtigen ADHS-Medikamente sind in Deutschland zugelassen:
- Dexamphetamin (Handelsname Attentin)
- Lisdexamfetamin (Handelsname Elvanse)
- Methylphenidat (Handelsnamen beispielsweise Medikinet, Concerta, Ritalin und Generika)
2. Nicht-Stimulanzien des zentralen Nervensystems
Atomoxetin
Bei diesem Wirkstoff zur Behandlung von ADHS handelt es sich um Atomoxetin von Strattera. Die Substanz stammt aus der Forschung von Antidepressiva, wirkt jedoch nicht antidepressiv. Tendenziell wirkt der Wirkstoff nicht ganz so gut wie Methylphenidat, bietet aber eine Alternative für Menschen, die keine Stimulanzien aufgrund der Nebenwirkungen einnehmen können oder nicht entsprechend auf diese reagieren. Gesteigert wird mit Atomoxetin vor allem die Konzentration von Noradrenalin im Gehirn, indem dessen Abbau verlangsamt wird. Der Botenstoff bleibt damit länger aktiv und sorgt dafür, dass die Signalübertragung im Gehirn wieder besser funktioniert.
Anders als Methylphenidat fällt Atomoxetin nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, ist jedoch auch verschreibungspflichtig. Es kann ab einem Alter von sechs Jahren für die Behandlung von ADHS bei Kindern angewandt werden.
Guanfacin (Intuniv)
Dieses Medikament wird ebenfalls verabreicht, wenn Stimulanzien, wie z. B. Ritalin nicht vertragen werden. Das Medikament beeinflusst die Konzentration von Noradrenalin im Gehirn. Es wurden mit der Gabe dieses Arzneimittels Verbesserungen in der Emotionsverarbeitung, bei Handlungsabläufen und bei der Impulskontrolle verzeichnet. Das Medikament wird begleitend zu einer psychologischen Behandlung eingesetzt.
LTO3 – Eine Alternative zur ADHS-Behandlung
Zusammensetzung und Wirkmechanismus
LTO3 ist ein natürliches Nahrungsergänzungsmittel, das oft als Alternative zu Methylphenidat (Ritalin) und Amphetaminpräparaten zur Behandlung von ADHS verwendet wird. Die Hauptbestandteile sind:
- L-Theanin (aus grünem Tee) – Unterstützt die Produktion von Dopamin und Serotonin, fördert Entspannung und verbessert die Konzentration.
- Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) – Fördern die neuronale Kommunikation, steigern kognitive Leistungen und wirken entzündungshemmend.
- Skullcap (Helmkraut, Scutellaria lateriflora) – Hat eine beruhigende Wirkung, reguliert das GABA-System und mindert Stress sowie Angstzustände.
Diese Stoffe wirken synergistisch, indem sie neurotransmitterbezogene Prozesse beeinflussen, die für ADHS-Symptome relevant sind.
Vergleich mit Stimulanzien (Methylphenidat, Amphetamine)
LTO3 unterscheidet sich deutlich von klassischen ADHS-Medikamenten:
| Merkmal | LTO3 | Methylphenidat (Ritalin) | Amphetamine (Adderall, Elvanse) |
|---|---|---|---|
| Wirkmechanismus | Unterstützt natürliche Neurotransmitterproduktion | Hemmt Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin | Fördert direkte Neurotransmitterausschüttung |
| Nebenwirkungen | Keine schweren bekannten Nebenwirkungen | Schlaflosigkeit, Appetitverlust, Herzrasen | Erhöhte Aktivierung, Risiko für Abhängigkeit |
| Wirkungseintritt | Innerhalb von 40 Minuten | 20–60 Minuten | 20–60 Minuten |
| Wirkdauer | Bis zu 12 Stunden | 4–8 Stunden | 8–12 Stunden |
| Langzeitverträglichkeit | Sehr gut, keine Abhängigkeit | Kann Toleranzbildung auslösen | Risiko für Abhängigkeit |
Während klassische Stimulanzien eine direkte neurochemische Wirkung haben, unterstützt LTO3 die natürliche Balance der Neurotransmitter, was zu einer sanfteren Wirkung führen kann.
Studienlage zu LTO3
Erfahrungsberichte und kleinere Studien
- In Kanada und Frankreich wird LTO3 seit über 10 Jahren eingesetzt, und es gibt zahlreiche positive Erfahrungsberichte.
- Eine kleine nicht-randomisierte Studie zeigte Verbesserungen in Konzentration und Impulsivität bei Kindern mit ADHS.
- Tierstudien zu L-Theanin und Omega-3 bestätigen ihre neuroprotektive Wirkung.
Omega-3-Fettsäuren und ADHS
- Eine Metaanalyse (Bloch & Qawasmi, 2011, J Am Acad Child Adolesc Psychiatry) zeigte eine signifikante Verbesserung der Impulskontrolle und Aufmerksamkeit durch Omega-3-Supplementierung.
- Studien wie die von Richardson (2006) und Stevens et al. (1995) weisen auf einen Zusammenhang zwischen Omega-3-Mangel und ADHS-Symptomen hin.
Notwendigkeit großer klinischer Studien
- Es gibt derzeit keine groß angelegte randomisierte klinische Studie, die LTO3 im Vergleich zu Stimulanzien untersucht.
- Medizinische Experten fordern eine Placebo-kontrollierte Doppelblindstudie, um die Wirksamkeit von LTO3 wissenschaftlich zu validieren.
Praktische Anwendung und Dosierung
- Erwachsene: 2–3 Kapseln täglich, morgens auf nüchternen Magen. Erste Effekte treten innerhalb von 40 Minuten ein.
- Langfristige Einnahme: Kann dauerhaft verwendet werden, kumulative Wirkung über Wochen hinweg.
- Verfügbarkeit: Online bestellbar in Kanada, Deutschland, Frankreich und Belgien.
Welche Nebenwirkungen haben ADHS-Medikamente?
Medikamente zur Behandlung von ADHS können Nebenwirkungen haben, doch eine sorgfältige Dosierung durch den Arzt trägt dazu bei, diese möglichst gering zu halten. Die allgemeinen Nebenwirkungen von Stimulanzien und Nicht-Stimulanzien ähneln sich weitgehend, wobei Stimulanzien meist intensivere Wirkungen zeigen.
ADHS-Medikamente & Nebenwirkungen:
- Kopfschmerzen
- Schlafstörungen
- Magen-Darm-Probleme od. Verstimmungen
- Nervosität
- Reizbarkeit
- Appetitlosigkeit
- Trockener Mund
- Haarausfall (Metylphendinat)
Die schwerwiegenderen Nebenwirkungen dieser Arzneimitteltypen sind seltener. Bei den Neuro-Stimulanzien können schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten:
- Halluzinationen
- Erhöhter Blutdruck
- Allergische Reaktion
- Angstzustände
- Selbstmordgedanken oder -handlungen
Bei Nichtstimulanzen können die schwerwiegenden Nebenwirkungen Folgendes umfassen:
- Angstzustände
- Selbstmordgedanken oder -handlungen
Weitere Medikamente zur ADHS-Behandlung
Wenn die zuvor genannten Medikamente nicht vertragen werden oder ihre Einnahme nicht möglich ist, können stattdessen bestimmte Antidepressiva, Neuroleptika, Alpha-Agonisten und Betablocker verabreicht werden.
An dieser Stelle sind zwei Medikamente zu nennen, die in der ADHS-Therapie gute Ergebnisse erzielen:
Buspiron
Buspiron wirkt auf alle betroffenen Neurotransmitter ein. Es handelt sich um ein angstlösendes Medikament, das in den Stoffwechsel des Nervenbotenstoffes Serotonin im Gehirn eingreift. Indem es bestimmte Rezeptoren von Serotonin aktiviert, ändert sich die „Verschaltung“ von Nervenzellen. Buspiron wirkt dabei nicht nur an verschiedenen Rezeptoren des „Glückshormons“ Serotonin, sondern auch an den Rezeptoren von Dopamin und Noradrenalin. Das Medikament wirkt jedoch erst nach einigen Tagen oder Wochen.
Levodopa
Levodopa oder L-Dopa wird im Gehirn zu Dopamin umgewandelt. Es handelt sich um eine Vorläufersubstanz des Botenstoffes Dopamin. Das Arzneimittel wird normalerweise in der Therapie von Bewegungsstörungen bei Parkinson sowie beim Restless-Legs-Syndrom (RLS) angewendet. Die Vorläufersubstanz wird auch als MAO-B-Hemmer bezeichnet, weil sie den Abbau von Dopamin im Gehirn blockiert, indem sie die körpereigene Produktion von Dopamin erhöht.

ADHS-Nahrungsergänzungsmittel
Der Botenstoff Gaba (Gamma-Aminobuttersäure) sorgt für Entspannung und wird bei ADHS ebenfalls eingesetzt, was jedoch in Europa nicht sehr bekannt ist. Der Mangel an GABA spielt nämlich eine zentrale Rolle für die Übererregbarkeit bei ADHS. Das pharmazeutische Gaba-Pentin ist leider keine gute Variante, da es die natürliche Gaba-Produktion hemmt und daher zur Abhängigkeit führen kann.
Einnahme-Tipp bei ADHS: Gaba
Seit wenigen Jahren ist GABA als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Um optimal vom Körper aufgenommen werden zu können, sollte ein GABA-Präparat idealerweise L-Theanin und Magnesium bzw. Magnesiumcitrat enthalten, da beide Stoffe die Produktion von GABA im Körper unterstützen. L-Theanin ist eine in Tee enthaltene Aminosäure, die nachweislich den GABA-Spiegel im Gehirn erhöht. Magnesium hingegen bindet an die GABA-Rezeptoren und aktiviert sie. Für die ideale Gaba-Synthese sollte zusätzlich Vitamin B6 und Mangan eingenommen werden.
GABA (Gamma-Aminobuttersäure) kann durch Keimung von braunem Reis erhöht werden, da der natürliche Fermentationsprozess die Produktion dieses Neurotransmitters steigert.
Herstellungsprozess von GABA aus Reis
- Auswahl des Reises: Nur unpolierter brauner Reis kann keimen, da die äußere Schicht (Kleie) erhalten bleibt.
- Einweichen: Der Reis wird für 6–12 Stunden in Wasser eingeweicht, um den Keimprozess zu starten.
- Germination (Keimung): Nach dem Einweichen wird der Reis für 24–48 Stunden bei einer Temperatur von etwa 30–40°C gehalten, um die Keimung zu fördern.
- Enzymatische Aktivierung: Während der Keimung werden Enzyme aktiviert, die die GABA-Konzentration im Reis erhöhen.
- Trocknung und Verarbeitung: Nach der Keimung kann der Reis getrocknet und weiterverarbeitet werden, um ihn haltbar zu machen.
Wissenschaftliche Hintergründe
Studien zeigen, dass GABA-reicher Reis eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem hat und die kognitive Funktion sowie die Schlafqualität verbessern kann. Der Keimprozess reduziert zudem Phytinsäure, wodurch die Bioverfügbarkeit von Nährstoffen wie Eisen und Magnesium steigt.
Essentielle Öle zur Steigerung von GABA
Spannenderweise können gewisse natürliche Duftstoffe aus Pflanzen die GABA-Anbindung im Gehirn verbessern. Das Gehirn hat dann mehr GABA zur Verfügung. Natürliches essentielles Jasmin-Öl (Gardenia Jasminoides) steigert das Ansprechen der GABA-Rezeptoren auf das 5-10fache. Die beiden Jasmin-Duftstoffe Vertacetal-coeur (VC) und die chemische Variante PI24513 haben den gleichen molekularen Wirkmechanismus. Laut Studien wirken diese genauso stark wie Valium oder das Propofol (Anesthätikum). Dabei gelangen die Duftmoleküle von der Lunge ins Blut und aktivieren die GABA-Rezeptoren. Auch Lavendel (Lavandula Augustifolia) steigert das Ansprechen der GABA-A Rezeptoren und verbessert die Schlafzeit.

Weitere ADHS Nahrungsergänzungsmittel
a. Neurotransmitter-Vorstufen und -Regulatoren
- L-Tyrosin – Vorstufe für die Synthese von Dopamin und Noradrenalin, kann kognitive Funktionen und Aufmerksamkeit verbessern.
- L-Tryptophan – Vorstufe von Serotonin, trägt zur Stimmungsregulierung und zum besseren Schlaf bei.
- Glycin – Aminosäure und Neurotransmitter, unterstützt das zentrale Nervensystem und kann beruhigend wirken.
- L-Theanin – Fördert die Dopamin- und Serotoninregulation, verbessert Entspannung und Konzentration.
- Taurin – Neuromodulator und Neurotransmitter, reguliert das Nervensystem und kann die Impulskontrolle unterstützen.
b. Wichtige Mineralstoffe und Vitamine
- Eisen – Essenziell für die Sauerstoffversorgung des Gehirns, Eisenmangel kann mit ADHS-Symptomen wie Konzentrationsproblemen und Müdigkeit zusammenhängen.
- Magnesiumcitrat – Fördert die Nervenfunktion, kann Stress reduzieren und die Schlafqualität verbessern.
- Vitamin B12 – Wichtig für die Gehirnfunktion, oft bei ADHS-Patienten im Mangel.
- Zink – Spielt eine Rolle bei der Dopaminregulation, kann die Konzentration fördern und Hyperaktivität reduzieren.
c. Pflanzliche Extrakte und natürliche Ergänzungen
- Guarana – Enthält natürliches Koffein, fördert Wachsamkeit und Aufmerksamkeit ohne plötzlichen Energieabfall.
- French Marine Pine Extract (Pinienrindenextrakt) – Reich an Antioxidantien und Flavonoiden, unterstützt kognitive Funktionen und verbessert die Durchblutung des Gehirns.
- GABA – Ein hemmender Neurotransmitter, der Angst reduziert und die neuronale Entspannung fördert. Wird aus fermentierten Lebensmitteln oder synthetischen Quellen gewonnen.
- Melatonin – Unterstützt das Einschlafen und den Schlafzyklus, hilfreich für ADHS-Betroffene mit Schlafproblemen.
d. Fettsäuren zur kognitiven Unterstützung
- Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) – Haben sich als wirksam bei der Verbesserung der Aufmerksamkeit und Impulskontrolle erwiesen.
Diese Nährstoffe und Ergänzungen können eine wertvolle Unterstützung für ADHS-Betroffene sein, indem sie das Neurotransmittersystem ausgleichen, die Gehirndurchblutung fördern und Stressresistenz verbessern. Eine individuelle Abstimmung und ärztliche Beratung sind jedoch empfehlenswert.

Maßnahmen bei ADHS
Ganzheitliche Ansätze zur Stressbewältigung und kognitiven Förderung bei ADHS
Neurobiologische Grundlagen: Durchblutungsmangel im Frontalhirn bei ADHS
Bei ADHS zeigen bildgebende Verfahren (fMRT, PET-Scans), dass das Frontalhirn – insbesondere der präfrontale Cortex – häufig eine reduzierte Durchblutung aufweist. Diese Region ist entscheidend für Impulskontrolle, Entscheidungsfindung und Konzentration. Ein geringerer Blutfluss führt zu:
- Erhöhtem Stresslevel durch ineffiziente Regulation von Neurotransmittern wie Dopamin und Noradrenalin.
- Schwierigkeiten in der Selbststeuerung, da weniger Sauerstoff und Nährstoffe die für kognitive Prozesse wichtigen Gehirnregionen erreichen.
- Verminderter neuronaler Aktivität, was sich in Konzentrationsschwierigkeiten und impulsiven Entscheidungen äußert.
Um diesen Effekt auszugleichen, können verschiedene Biohacking-Techniken zur Förderung der Gehirndurchblutung und Stressresistenz eingesetzt werden.
Biohacking-Methoden zur Förderung der Gehirndurchblutung und Stressregulation
Kalt-Warm-Duschen (Wechselduschen) und ihre Wirkung auf ADHS
- Die abwechselnde Wärme- und Kälteeinwirkung verbessert die Gefäßelastizität und fördert die Blutzirkulation im Frontalhirn.
- Kälteexposition aktiviert das noradrenerge System, was die Aufmerksamkeit und kognitive Kontrolle verbessert.
- Studien zeigen, dass regelmäßige Kältetherapie die Dopaminproduktion steigern kann, was für ADHS-Betroffene besonders relevant ist.
Empfohlene Anwendung:
- 30–60 Sekunden kaltes Wasser, gefolgt von 60 Sekunden warmem Wasser, in 3-4 Zyklen.
- Besonders effektiv morgens oder vor kognitiven Tätigkeiten.

Breathwork (Atemtraining) zur Regulation des Nervensystems
- Langsame, kontrollierte Atemtechniken wie die Box-Breathing-Methode oder Wim-Hof-Atemtechnik aktivieren den Vagusnerv, der das parasympathische Nervensystem steuert.
- Dies reduziert Cortisol (Stresshormon) und erhöht die Sauerstoffversorgung des Gehirns.
- Forschungen zeigen, dass Breathwork das präfrontale Cortex aktiviert, was Selbstkontrolle und Entscheidungsfindung verbessert.
Empfohlene Techniken:
- Box-Breathing: 4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden halten, 4 Sekunden ausatmen, 4 Sekunden halten (10 Minuten täglich).
- Tiefenatmung vor kognitiven Aufgaben zur Verbesserung der Aufmerksamkeit.
Ernährung als neurobiologischer Regulator für ADHS
Reduzierung von Gluten und künstlichen Zusatzstoffen
- Gluten kann bei empfindlichen Personen Entzündungsreaktionen im Darm und Gehirn auslösen, was die ADHS-Symptome verstärken kann.
- Künstliche Farb- und Konservierungsstoffe beeinflussen Dopamin-Rezeptoren negativ und können die neuronale Signalübertragung stören.
Empfohlene Alternativen:
- Glutenfreie Vollkornprodukte wie Quinoa, Hafer, Buchweizen oder Amaranth.
- Frische, unverarbeitete Lebensmittel, um den Einfluss von Konservierungsstoffen zu minimieren.
ADHS-Ernährung
In der Regel benötigen Betroffene eine erhöhte Zufuhr von Nährstoffen, da ihr Gehirn eine verstärkte Neurotransmitterregulation benötigt, um Konzentration, Impulskontrolle und emotionale Stabilität zu unterstützen. Studien zeigen, dass Menschen mit ADHS häufig niedrigere Werte von Omega-3-Fettsäuren, Magnesium, Eisen, Zink und Vitamin D haben, was sich negativ auf die Dopamin- und Serotoninproduktion auswirkt2. Zudem spielt die Darmgesundheit eine entscheidende Rolle, da der Darm über die Darm-Hirn-Achse direkt mit der Neurotransmitterproduktion verbunden ist.
Hier ist eine Liste von neuroaktiven Lebensmitteln für ADHS-Betroffen:
1. Aminosäuren und Vorstufen für Neurotransmitter
- Vollkornreis + Mandeln – Liefert Tryptophan (Vorstufe von Serotonin für emotionale Stabilität) und Tyrosin (wichtig für die Dopaminproduktion).
- Haferflocken – Reich an Glutamin, das die Darmgesundheit unterstützt und eine Vorstufe für GABA ist, einen beruhigenden Neurotransmitter.
- Kürbiskerne – Hoher Gehalt an Tyrosin und Phenylalanin, die für die Dopaminproduktion essenziell sind.
- Lachs und Eier – Enthalten Cholin, das für die Bildung von Acetylcholin wichtig ist, einem Neurotransmitter für Gedächtnis und Konzentration.
- Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen, Bohnen) – Reich an Ballaststoffen, pflanzlichem Eiweiß und B-Vitaminen, die die Darmflora unterstützen und die Neurotransmitterproduktion fördern. Sie helfen, den Blutzucker stabil zu halten und liefern wichtige Nährstoffe für die Gehirnfunktion.
2. Darmgesundheit und ADHS
- Fermentierte Lebensmittel (Kimchi, Sauerkraut, Kefir) – Fördern eine gesunde Darmflora, die die Produktion von Neurotransmittern wie Serotonin unterstützt.
- Ballaststoffreiche Lebensmittel (Haferflocken, Leinsamen, Chiasamen) – Stabilisieren den Blutzucker und fördern die Darmgesundheit, was sich positiv auf die Konzentration auswirkt.
- Probiotika (Joghurt, Kombucha) – Unterstützen die Darm-Hirn-Achse und helfen bei der Regulation von Neurotransmittern.
- Gerstengras – Reich an Magnesium, B-Vitaminen und Chlorophyll, die die Gehirnfunktion unterstützen und entzündungshemmend wirken.

3. Neuroaktive Nahrungsmittel für ADHS
- Chilischoten – Enthalten Capsaicin, das die Durchblutung im Gehirn erhöht.
- Ingwer – Fördert den Blutfluss und die kognitive Leistungsfähigkeit durch seine antioxidativen Eigenschaften.
- Grüner Tee – Enthält L-Theanin, das nachweislich die Dopaminregulation und Entspannung fördert.
- Frische Fruchtsäfte – Liefern wichtige Antioxidantien und Elektrolyte, die für neuronale Funktionen entscheidend sind.
- Frisch gemahlener Pfeffer – Enthält Piperin, das die Aufnahme von Nährstoffen verbessert und die Dopaminproduktion unterstützt.
- Kurkuma – Enthält Curcumin, das entzündungshemmend wirkt und die Dopaminproduktion fördern kann.
- Dunkle Schokolade (hoher Kakaoanteil) – Enthält Flavonoide, die die Durchblutung des Gehirns fördern und die kognitive Leistungsfähigkeit steigern.
- Spinat und Brokkoli – Reich an Magnesium, Folsäure und Eisen, die für die Neurotransmitterbalance und Sauerstoffversorgung des Gehirns wichtig sind.
- Blaubeeren und Trauben – Reich an Antioxidantien, die die Gehirnzellen vor oxidativem Stress schützen.
- Maracuja (Passionsfrucht) – Maracuja (Passionsfrucht) ist ein wahres Kraftpaket an Nährstoffen, die für ADHS-Betroffene besonders vorteilhaft sein können. Sie enthält Vitamin A, das die Gehirnfunktion unterstützt und Nervenzellen schützt, sowie eine hohe Konzentration an B-Vitaminen (B3, B6, B9), die entscheidend für die Neurotransmitterproduktion sind. Zusätzlich liefert Maracuja Kalium, das für die neuronale Signalübertragung und die Blutdruckregulation wichtig ist, sowie Flavonoide, die als starke Antioxidantien entzündungshemmend wirken und das Gehirn vor oxidativem Stress schützen. Besonders bemerkenswert ist der Gehalt an Passionsblumenextrakt, der nachweislich beruhigende Eigenschaften besitzt und häufig zur natürlichen Stressreduktion und Angstlinderung eingesetzt wird. Dank dieser Kombination aus neuroaktiven Inhaltsstoffen kann Maracuja helfen, die emotionale Stabilität, mentale Klarheit und kognitive Leistungsfähigkeit zu verbessern.
- Knoblauch – Das natürliche Antibiotikum mit enthält Schwefelverbindungen, die entzündungshemmend wirken und die Durchblutung des Gehirns fördern. Zudem kann Knoblauch die Dopaminproduktion positiv beeinflussen.
- Zwiebeln – Reich an Quercetin, einem starken Antioxidans, das die neuronale Funktion unterstützt und entzündungshemmend wirkt.
- Selbstgemachte Salatsaucen mit Bio-Apfelessig – Apfelessig kann die Blutzuckerregulation verbessern, was für ADHS-Betroffene wichtig ist, da starke Blutzuckerschwankungen die Konzentration beeinträchtigen können.
- Kaltgepresste Öle (Olivenöl, Leinöl, Walnussöl) – Reich an Omega-3-Fettsäuren, die die Dopaminregulation unterstützen und die neuronale Kommunikation verbessern.
- Ketogene Ernährung (Keto) – Eine fettreiche, kohlenhydratarme Ernährung, die den Körper in einen Zustand der Ketose versetzt. Studien zeigen, dass Keto die Dopaminregulation verbessern, Entzündungen reduzieren und die kognitive Leistungsfähigkeit steigern kann2.
- Intermittierendes Fasten (IF)– unterstützt die Gehirnfunktion, indem es Autophagie (Reinigung und Regeneration der Körperzellen) aktiviert, die Insulinsensitivität (Stabilisierung des Blutzuckers) verbessert und die Neurotransmitterbalance stabilisiert, was zu besserer Konzentration und emotionaler Kontrolle führt. Es hilft, Blutzuckerschwankungen zu vermeiden, die sich negativ auf die Aufmerksamkeit auswirken, und reduziert Entzündungen, die neurologische Prozesse beeinträchtigen können. Zudem stärkt IF die Darm-Hirn-Achse, was die Aufnahme essenzieller Nährstoffe optimiert und die kognitive Leistungsfähigkeit fördert.
Einfluss von Umweltfaktoren: Elektrosmog und soziale Medien
Reduzierung von Elektrosmog
- Elektromagnetische Felder (EMF) können die GABA- und Melatoninproduktion hemmen, wodurch Schlafqualität und Konzentration leiden.
- Studien zeigen, dass Elektrosmog die Dopaminrezeptoren beeinflussen kann, was für ADHS-Betroffene relevant ist.
Strategien zur EMF-Reduktion:
- WLAN nachts ausschalten oder Geräte im Flugmodus verwenden.
- EMF-blockierende Materialien oder Abschirmtechniken nutzen.
Soziale Medien und Dopamin-Dysregulation
- Ständige Reizüberflutung durch soziale Medien führt zur Dopaminüberstimulation, wodurch sich ADHS-Symptome verstärken.
- Besonders problematisch ist das Belohnungssystem, das durch kurze, impulsive Reize der sozialen Netzwerke beeinflusst wird.
Empfohlene Maßnahmen:
*Bildschirmzeiten begrenzen, besonders abends zur Schlafoptimierung.

Achtsamkeit und verbesserte Durchblutung des Frontalhirns durch Meditation
Meditation kann die Durchblutung des Frontalhirns steigern, was sich positiv auf kognitive Funktionen, emotionale Regulation und Konzentration auswirkt. Eine Studie von Tang et al. (2015) zeigte, dass bereits fünf Tage Integrative Body-Mind Training (IBMT) die zerebrale Durchblutung im subgenualen und ventralen anterioren cingulären Kortex (ACC), medialen präfrontalen Kortex und der Insula signifikant erhöht. Diese Hirnregionen sind entscheidend für Selbstregulation, Entscheidungsfindung und emotionale Stabilität. Die Studie ergab zudem, dass Meditation die linke laterale Durchblutung verstärkt, was mit einer verbesserten positiven Stimmung und mentaler Klarheit korreliert.
Menschen mit ADHS haben oft eine hohe Reizoffenheit und sind besonders anfällig für eine unkontrollierte Flut von Sinneseindrücken, da ihr Gehirn externe Reize weniger filtert und oft auf jedes noch so feine Detail reagiert. Diese anhaltende sensorische Überlastung kann zu innerer Unruhe, erhöhter Ablenkbarkeit und einem Gefühl der mentalen Erschöpfung führen. Insbesondere in öffentlichen oder lauten Umgebungen fällt es schwer, sich auf einzelne Aufgaben zu konzentrieren, da Hintergrundgeräusche, visuelle Eindrücke und soziale Dynamiken ungefiltert ins Bewusstsein strömen.
Achtsamkeit kann eine wertvolle Strategie sein, um dieser Reizüberflutung entgegenzuwirken. Durch regelmäßige Meditation wird das parasympathische Nervensystem aktiviert, das für Entspannung und Selbstregulation zuständig ist. Dies trägt dazu bei, mentale Klarheit zu fördern, impulsive Reaktionen zu reduzieren und die Fähigkeit zu stärken, Reize bewusst auszublenden, sodass sich die Aufmerksamkeit gezielter steuern lässt. Indem das Gehirn lernt, zwischen relevanten und irrelevanten Informationen besser zu unterscheiden, entsteht eine kognitive Schutzschicht, die es ermöglicht, sich auch in anspruchsvollen Umgebungen fokussiert und ausgeglichen zu fühlen.
Achtsamkeit (Mindfulness) ist die bewusste, nicht wertende Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments. Sie basiert auf der Fähigkeit, Gedanken, Emotionen und Sinneseindrücke klar zu beobachten, ohne automatisch darauf zu reagieren. Wissenschaftlich betrachtet stärkt Achtsamkeit die Aktivität des präfrontalen Kortex, verbessert die Emotionsregulation und fördert die neuronale Plastizität. Durch regelmäßige Praxis werden Stressreaktionen reduziert, die kognitive Flexibilität gesteigert und die Konzentrationsfähigkeit optimiert.

Quellen
- Bloch, M. H., & Qawasmi, A. (2011). Omega-3 Fatty Acid Supplementation for the Treatment of Children With Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry, 50(10), 991-1000.
- Richardson, A. J. (2006). Omega-3 fatty acids in ADHD and related neurodevelopmental disorders. International Review of Psychiatry, 18(2), 155-172.
- Stevens, L., Zhang, W., Peck, L., et al. (1995). EFA supplementation in ADHD. American Journal of Clinical Nutrition, 62(2), 761-768.
- Herstellerinformationen von Herb-e-Concept (LTO3): Herb-e-Concept
